Wie ein Automodell zu seinem Namen kommt

In Kodiaq, einer zu Alaska gehörenden Insel im Pazifik, lebt Dani, einer meiner Jugendfreunde. Er fischt dort seit ca. 40 Jahren mit einem eigenen Kutter. Kodiaq ist irritierenderweise aber auch ein Automodell von Skoda. Genauso irritiert mich, dass Alhambra nicht nur ein grossartiges Baudenkmal und Weltkulturerbe in Granada ist, sondern ebenfalls ein Automodell, diesmal von SEAT, und (wie der Kodiaq) auf unseren Strassen unterwegs ist. Es gibt weitere Beispiele: California (VW), Capri (Ford), Amalfi (Ferrari).

Als Psychologe verstehe ich selbstredend, dass die Leute vom Marketing ein neues Automodell mit Träumen verbinden wollen: menschenleere Inseln in einem fernen Land, orientalische Schönheit, weite oder auch wilde, jedenfalls sonnige und vielleicht sogar fruchtbare Küstenstreifen etc. etc. Niemand würde das neue Modell Duisburg oder Kleinhüningen oder Marzahn nennen, und schon gar nicht Soveso (zur Erinnerung: Stadt in Norditalien, die 1976 von einem Chemieunfall betroffen war, bei dem grosse Mengen Dioxin freigesetzt wurden) oder Tschernobyl (Nuklearkatastrophe 1986) oder Fukushima (Atomunfall 2011, nach einem Tsunami).

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch andere Bezeichnungen: Ich denke an den Explorer (Ford), der Mut und unverwüstlichen Entdeckergeist suggeriert. Oder an den Touareg (VW), der in Anlehnung an das nomadisch am Rande der Wüste lebende Volk einen starken Überlebenswillen in einer unwirtlichen Gegend vermittelt. Wenn ich mir dann die Lenker:innen dieser Fahrzeuge etwas genauer ansehe, kommen mir manchmal Zweifel, ob sie diese Attribute in ihrem wirklichen Leben tatsächlich einzulösen vermögen. Aber gut möglich, dass sie sich mit dem Fuss auf dem Gaspedal und dem brummenden Motor unter dem Hintern ein wenig wie ein Explorer oder Tuareg fühlen.

Ich finde, man sollte die neuen Modelle, wenn schon nicht Fukushima oder ähnlich, dann doch wenigstens nach den Namen der Inseln benennen, die demnächst aufgrund des Klimawandels im Meer untergehen, also zum Beispiel Tuvalu oder Kiribati. Es wäre nur folgerichtig, denn diese gehen nicht nur, aber auch wegen der heiligen Mobilität unter, zumal die Autoabgase einen nennenswerten Beitrag zum steigenden Meeresspiegel leisten. „Ich fahre jetzt einen Kiribati“, könnte dann jemand sagen oder: „Mit meinem neuen SUV, dem Tuvalu, komme ich überall durch. Er gibt mir ein maximales Sicherheitsgefühl.“

8.10.2026

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